Ein Blatt Papier und das Niveau
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Die Menschheit hat das Zeitalter der Kommunikation beinahe zur Gänze durchschritten, so meint man, doch immer gewinnt man der Kommunikation neue Aspekte ab. Immer wieder werden neue Wege beschritten. Und - es ist ein zweischneidiges Schwert. Die Kommunikationswege verändern die Sprache verändert die Kommunikationswege. Und so weiter. Man denke nur an den berühmten Kurmitteilungsdienst, besser bekannt unter dem Kürzel SMS, das eine ganz neue Form des Kommunizierens hervorgebracht hat. Man ist sich wie immer uneins, wie diese Entwicklung zu bewerten sein soll. Sind solche Kurzmitteilungen kreative, originelle Erzeugnisse von Sprachökonomen, die bei Formulieren stets die verbleibende Zeichenzahl im Kopf haben und äußerst erfinderisch darin werden Worte oder ganze Sätze abzukürzen, um Zeichen zu sparen? Oder sind es Sprachverstümmeler, die den endgültigen Tod der eleganten Korrespondenz eingeleitet haben? Wie man es auch immer sehen möchte, eines lässt sich so ganz nicht abstreiten: Die Tendenz in der schriftlichen Korrespondenz geht hin zur Kürze, bricht dabei mit Jahrzehnte alten Höflichkeiten und kommt rasch auf den Punkt.

Wer der alten Zeit nachtrauert, als man individuelle Kurzmitteilungen tatsächlich noch auf einem Blatt Papier mit einem Füllfederhalter niederschrieb, der kämpft wohl auf verlorenem Posten. Man hat heutzutage die E-Mail und diverse Vorlagen von Schreibprogrammen, die sich aus optimierten Textbausteinen zusammensetzen. Da ist wenig persönliches mehr und kaum Platz für etwas, das über das alltägliche business-deutsch hinausgehen würde. Was kann man dagegen tun, fragt sich vielleicht der verzweifelte Nostalgierevolutionär. Man könnte wieder Stil und Eleganz in die tägliche Korrespondenz einbringen. Natürlich "erstirbt" man nicht mehr "zu Füßen" des Geschäftspartners, wie noch zu Zeiten König Ludwigs des XIV. Aber gut ausformulierte Sätze sind auch in E-Mails durchaus nicht verboten. Im Gegenteil, ihr positiver Effekt lässt sich kaum ermessen, wenn man bedenkt, wie viel sprachliches Fastfood durch den Äther geht. Da ist es eine durchaus freudige Sache, hin und wieder eine nett und durchdacht formulierte Mail in seinem Posteingang zu finden. Auch unter Kollegen kann man sich statt einer Mail durchaus mal wieder ein kleines, schmuckes Kärtchen schreiben. Was tut man nicht alles, um das Niveau wieder zu heben.

Autor: Andreas Mettler
Email: presse[at]mettlerweb.de





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