Cost-Average-Effekt --- Völliger Quatsch?
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Er ist wohl eines der Standardinstrumente in der Beratung rund um Fondsparpläne. Es gibt sogar Finanzprodukte, die Einmalzahlungen in mehrere Teile aufsplitten um so den Vorteil des Cost-Average für den Kunden zu gewinnen. Ob das alles so richtig ist?

Genau genommen ist die Wirkung des Cost-Average bereits seit Jahren widerlegt. Warum sie trotzdem immer noch auf den Tisch kommt? Weil sie einfach und schlüssig klingt und das Verkaufen vereinfachen soll.

Um es klar zu stellen: Die Mathematik hinter dem Cost-Average-Gedanken stimmt schon. Gleich hohe Investitionsbeträge bei schwankenden Anteilswerten führen zu einem günstigeren durchschnittlichen Einstiegspreis. Doch genau an dieser Stelle beginnt auch der Trugschluß: Der bessere Einstiegspreis wird als Cost-Average-Effekt beschrieben. Und das ist schlichtweg falsch.

Die übliche Berechnung des Cost-Average-Effektes beruht auf der Kenntnis von Informationen, die genau genommen erst in der Zukunft bekannt werden. Niemand kann die Entwicklung der Anteilspreise eines Fondsparplanes voraussehen. Erst durch Kenntnis des Kursverlaufes kann man dem Kunden eine Berechnung präsentieren, die die Anzahl der Anteile enthält, die der Kunde erwerben muß, um durch den Cost-Average-Effekt einen Vorteil zu ziehen.

Am besten an einem Beispiel zu erklären:

  April Mai Juni Juli  
Anteilspreis 10 EUR 5 EUR 5 EUR 10 EUR  
Gleich hohe Anlagebeträge          
Betrag 50 EUR 50 EUR 50 EUR 50 EUR 200 EUR
Anteile 5 10 10 5 30
Gleich hohe Stückzahlen          
Betrag 75 EUR 37,50 EUR 37,50 EUR 75 EUR 225 EUR
Anteile 7,5 7,5 7,5 7,5 30


In den Beratungsgesprächen wird jetzt die Differenz von 25 Euro bei den investierten Beträgen als Vorteil des Cost-Average genannt.

Ein weiteres Rechenbeispiel zeigt, dass der Cost-Average-Effekt auch Nachteile mit sich bringen kann:

  April Mai Juni Juli  
Anteilspreis 25 EUR 10 EUR 5 EUR 5 EUR  
Gleich hohe Anlagebeträge          
Betrag 50 EUR 50 EUR 50 EUR 50 EUR 200 EUR
Anteile 2 5 10 10 27
Gleich hohe Stückzahlen          
Betrag 50 EUR 20 EUR 10 EUR 10 EUR 90 EUR
Anteile 2 2 2 2 8


Bei fallenden Anteilspreisen ist der Verlust des Anleger mit gleichen Anteilszahlen (-50 EUR) deutlich geringer als der des Anlegers, der immer gleiche Beträge investiert (-65 EUR). Dieser Nachteil wird erst wieder aufgewogen, wenn die Kurse steigen.

Wenn das Argument des Cost-Average aber wegfällt, wie sollte man sich dann beim Kunden verhalten? Insbesondere sollte man aufgrund der verstärkten Haftungsregelungen für Vermittler sich Gedanken machen, ob das Verkaufsargument "Cost-Average" wirklich noch angebracht ist. Argumente für gleich bleibende Anlagebeträge sind vor allem die Disziplinierung im Sparverhalten und der Ausgleich von pro- und antizyklischen Investitionen.



Autor: Marcus Winkelmann
Email: info[at]raja-consult.de





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© 06.09.2007 by Bimawi.de

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